Bennis Reisetagebuch: Warten auf Henry

Dienstag, 3. Mai: Betroffenheit und Wünsche – mit dem Boot zur Auswilderungs-Insel – Babies auf dem Weg zum Waldkindergarten – Warten auf Henry

Heute gewährt uns das Team der BOSF einen noch tieferen Einblick in die Arbeit des Rescue Camps: professionell, leidenschaftlich und engagiert! Mit dem Boot fahren wir zur Quarantäne-Auswilderungs-Insel. Wieder zurück an Land, dürfen wir miterleben, wie die Babies in den Waldkindergarten gebracht werden. Und dann warten wir auf Henry …
Nochmals möchten wir erklären, dass es völlig unüblich ist, dass Fremde in die Stationen des BOSF Camps (Gleiches gilt auch für Willies Hilfsprojekte wie masarang) vorgelassen werden. Orang-Utan-Tourismus ist völlig tabu. Dies unterschreiben wir uneingeschränkt. Denn Orang-Utan-Waisen müssen auf jeder ihrer Stationen durch die Rettungs-Camps geschützt, eben nicht an Menschen gewöhnt und auf ihre Auswilderung in Freiheit vorbereitet werden. Es ist schmerzlich genug, wenn sich die menschlichen Ersatzmütter bei der Auswilderung von ihren Pflegekindern verabschieden müssen und umgekehrt. 

Dass Benni die Möglichkeit geschenkt wurde, Orang Utans nahe zu begegnen oder sogar in Kontakt zu treten, ist eine absolute Ausnahme. „Warum?“, könnten Hardliner fragen oder andere wiederum als Gefühls-Romantik aufgrund eines Herzenswunsches abtun. Um jenen Stimmen gleich zuvor zukommen, hier der Versuch einer Antwort. Diese ist so simpel wie gehaltvoll: Weil dies wohl von einer höheren Macht so gewollt ist – und weil Benni die Herzen der Verantwortlichen, der Mitarbeiter der Teams im Sintang Orang-Utan-Center, der Borneoorangutan Foundation in Nyaru Menteng, der Dayaks, der vielen, vielen Kinder und Menschen in den Schulen und in Indonesien erobert hat und umgekehrt einen großen Herzenswunsch mit auf den Weg bekommen hat: „Erzähle von deinen Erlebnissen, erzähle von uns, erzähle über unsere Situation und unsere Probleme – und erzähle jenen Menschen davon, welche spürbar helfen könnten, das alles zu ändern und hin zu einer besseren Welt umzukehren: den Mächtigen (z.B. Politik), den Einflussreichen (z.B. Kirche), den Wirtschafts-Giganten (z.B. Unternehmen); die das alles zulassen oder sogar alles in Gang halten. Wir brauchen dringend Hilfe von aussen!“
Thomas Stillbauer, Redakteur der Frankfurter Rundschau, fasst in dem zu Pfingsten in der FR erschienenen Artikel „Benni bei den roten Brüdern“ (im Panorama Teil) wie folgt zusammen: „Kaum zu glauben. Wenn ein junger Mann im Rollstuhl das alles schafft, dann muss es auch Hoffnung für die Orang-Utans geben, für den Regenwald – und vielleicht für die Vernunft der Menschen“. 
Wir hoffen auf das Licht am Ende des Tunnels. Im diesem Bild freuen sich Freunde und Sympathisanten von Bennis Projekt sehr darüber, dass sich das Bildungsministerium Rheinland-Pfalz dafür einsetzen wird, das Thema Nachhaltigkeit – auch in Anlehnung an Bennis Projekt – in den Unterricht von Grundschulen und vielleicht darüber hinaus zu integrieren.
Wer die Orang-Utans und den Regenwald retten möchte, der muss bei den Menschen beginnen. Vielleicht können Kinder mit ihrer Stimme die Mächtigen und Einflussreichen dieser Welt bewegen, täglich für eine bessere Welt einzutreten und zu arbeiten.
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… ach ja, wir sind immer noch in Nyaru Menteng und mit dem BOSF-Team unterwegs und später am Tag soll es hoffentlich zur Begegnung von Benni und Henry kommen. Zunächst aber geht es mit einem Boot auf die Quarantäne-Auswilderung-Insel.
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Ein paar Bretter helfen als Behelfssteg, um Benni samt Rollstuhl ins Boot zu hieven.
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Die hohe Luftfeuchte macht allen zu schaffen. Heute kommt die direkte Sonneneinstrahlung hinzu.
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In angemessenem Abstand beobachten wir die für die Auswilderung vorgesehenen Orang-Utans. Björn Vaughn ist mit der Kamera dabei. Er dreht alle Doku- und Image-Filme für die BOSF. „Wir wollen nur Björn, denn er weiß sich richtig zu verhalten bei den Orang-Utans. Er ist der beste“, so der CEO der BOSF, Dr. Jamartin Sihite.
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Aus der Ferne erkennen wir ausgewachsene Orang-Utans. Näher wollen und dürfen wir nicht heran.
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Wieder an Land, wird das obligatorische Foto direkt vor einem der Orang-Utan Rescue Cars gemacht.
Seit gestern haben sich auch Silke Kenter und ihr Freund Michael Radzuweit (rechts im Bild) der Benni-Reise-Gruppe angeschlossen. Wir freuen uns, dass Silke dabei ist, denn am Abend behandelt sie Benni und sagt: „Benni ist gut drauf. Man spürt schon ein wenig die Strapazen. Aber in Balance mit seiner mentalen Verfassung passt alles gut zusammen“.
Dann fahren wir zum Babyhaus. Außer Benni und mir müssen alle einen großen Abstand einhalten.
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Durch die Ritzen des Bretterzauns können wir beobachten, wie die Babies für den Transport in den Kindergarten liebevoll auf Schubkarren verladen werden. Sie purzeln hin und her, greifen nach ihren Stoff-Kuscheltieren oder versuchen in die andere Schubkarre zu klettern.
„Auch alle ihre Mütter sind getötet bzw. ermordet worden“, trifft mich diese Vorstellung.
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Sri bringt den kleinen Valentino in unsere Nähe. Tina und Robert Diede und Schwiegermama Gertrud (Freunde von uns) haben eine Patenschaft für Valentino übernommen – und haben uns zudem eine separate Spende zur Übergabe an die BOSF mit auf den Weg gegeben. Jamartin, Denny und Pauline freuen sich sehr über die Spende und haben sich zwischenzeitlich schon bei den Rheinland-Pfälzern aus Urbar mit einem Schreiben bedankt.
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Lunch-Time im Camp.
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Wieder dieses köstliche indonesische Essen. Die Benni-Reisegruppe sitzt beisammen und wartet jetzt auf „Benni meets Henry“

Aber …
Während alle jüngeren Orang-Utans schon wieder zurück sind aus der Waldschule (Regenwald hinter dem Camp), lässt der mittlerweile 6 1/2 Jahre alte Henry auf sich warten. Auch Ina von Frantzius (Deutsche Botschaft), die das Unternehmen „Benni meets Henry“ begeistert hat, wartet schon verzweifelt auf Henry; denn ihr Rückflug nach Jakarta ist für heute Nachmittag gebucht. Gerne würde sie noch miterleben, wenn die beiden, Benni und Henry, aufeinander treffen. Aber Henry kommt nicht ...
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Derweil erfreuen wir uns an dem Treiben auf dem Playground …
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Irgendwie möchte man mitspielen …
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Gegen 17.00 Uhr setzt die Dämmerung ein. Denny, der Leiter des Camps, erklärt uns, dass er ein Team rausgeschickt habe, um Henry zu finden. Henry, in Bälde Kandidat für die Quarantäne-Auswilderungs-Insel, bliebe auch schon mal eine Nacht mit seinen Kumpels draussen im Regenwald. Auch wäre es schon passiert, dass Henry dann mitten in der Nacht an die Fenster des Gebäudes mit der Nachtwache angeklopft habe. Er habe dann sein Fressen bekommen sei sodann zu den Anderen ins Haus geschlüpft. Dass Henry nicht komme, sei ja ein gutes Zeichen und eine Bestätigung für die Arbeit seines Teams. Aber heute … Denny ist total deprimiert. Denn auch er hat Benni längst ins Herz geschlossen und möchte so gerne, dass es zur Begegnung der beiden kommt …
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Mit Denny zusammen warten und hoffen wir.
Dann kommt das Team mit hängenden Schultern und traurig dreinblickend zurück aus dem Regenwald. Man hat Henry nicht gefunden.
Beim Verlassen des Camps rufen die Mitarbeiter noch mit einer extra Portion Zuversicht bzw. lächelnden Gesichtern dem enttäuschten Benni zu: „Morgen wird es klappen“ (Anm.: Morgen ist unser letzter Tag).
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Benni lächelt zurück, aber am Abend im Bett fragt er:
„Wird Henry morgen kommen?“

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